JUNI - SEPTEMBER 2013

RIMMA ARSLANOV

Die in Tadschikistan geborene Künstlerin verbrachte ihre Kindheit in Usbekistan und lebt seit 2000 in Israel. In Usbekistan studierte sie 1996-1999 Applied Arts & Craft am P.P. Benkov Art College in Tashken. In Israel folgten dann zwischen 2000 und 2003 Art Studies am Avni Institute of Art and Design inTel Aviv die Performance Art Platform, Shelter 209 in Tel Aviv. 2003 – 2005 schloss sie ein weiteres Kunststudium an der School of Art – Hamidrasha in Kfar Saba, Israel an. Seither war sie in vielen Gruppen- und auch Einzelausstellungen in Israel, Deutschland, Großbritannien und Polen vertreten.

Rimma Arslanovs aktuelle Arbeiten basieren auf Kindheitserinnerungen aus der Zeit, in der sie in Usbekistan aufwuchs. Es handelt sich dabei um eine fantastische Welt, erbaut auf einem ganz eigenen Codes und Regeln. Es ist ein kleines abgeschotteten Universum ganz eigener Figuren, Charaktere und anderer Elementen, die sowohl die magisch schöne, naive und zugleich auch erotische Welt der Kindheit und Jugend, als auch Abgründe von Traurigkeit und Trauer mit einbinden. Zentrales Motiv dieses kreativen Schaffensprozesses ist der Gebrauch von Architekturelementen als Bezugsquelle und gestaltendes Element. Verschiedene Formen von Backstein und Mashrabiya Mustern sind immer wiederkehrende Elemente. 

Auswahl aktueller Arbeiten

Judith, 2013, watercolor and pencil on paper, 50x70 cmUntitled, 2013, watercolor, acrylic and colored pencil on paper, 50x70 cmTombstone, 2013, watercolor and acrylic on paper, 50x70 cmUntitled, 2012, watercolor and pencil on paper, 56x76 cmUntitled, 2012, watercolor, acrylic and pencil on paper, 56x76 cmTwo, 2011, watercolor, acrylic and pencil on paper, 50x70 cm

 

"GRAY NOON"

Abschlussausstellung, 16.8. - 1.9.2013
Vernissage: 15.8.2013, 20 Uhr
im Kunstverein Leipzig, Kolonnadenstraße 6, 04109 Leipzig

Die Ausstellung „GRAY NOON“ im Kunstverein Leipzig markiert den Endpunkt des dreimonatigen Aufenthalts Rimma Arslanovs in der Künstlerresidenz BLUMEN. Die in Tel Aviv lebende Usbekin konstruiert in ihren Zeichnungen, Animationen und skulpturalen Arbeiten eine alternative - sehr persönliche und intime - Realität, in welcher sich architektonische, abstrakte, florale, und anthropomorphe Formen durchdringen, zusammenfinden und immer wieder neu kompiliert werden.

Rimma Arslanov bedient sich dabei frei aus dem kanonischen Vokabular einer zwischen Orient und Okzident changierenden Architektur. Aus dem islamischen Raum bekannte Ornamente wie das Mashrabiyya-Muster verbinden sich mit klassischen europäischen Architekturelementen und stehen gleichberechtigt neben diesen.
Dennoch erschöpft und erklärt sich diese Zusammenstellung von Architekturformen nicht ausschließlich aus der Biografie und Lebenswelt der Künstlerin. Ein geschlossener zeichnerischer Raum findet sich nur selten in den Arbeiten Arslanovs. Die konstruierte Realität bleibt immer lückenhaft, wirkt fragil, zerbrechlich, verlangt vielleicht sogar nach Ergänzung durch den Rezipienten. Die abgebildeten Architekturen sind oftmals dem Verfall hingegeben, wirken ruinenhaft, scheinen sich im Raum schwebend nach einer gewissen Logik aufzulösen. Gerade durch die Einbindung von Elementen botanischer Natur – auch hier bestätigt sich ein dialektisches Spiel mit Gegensätzlichkeiten in der Bildwelt Arslanovs – erhalten ihre Zeichnungen eine Qualität die Ästhetik- und Kunsttheoretiker des 18. und 19. Jahrhunderts wohl „malerisch“ genannt hätten. Die Natur durchdringt die vom Menschen gemachte Architektur, sucht sich ihren Platz in derselben, wendet sich teilweise aber auch ab. Bäume und Baumstümpfe schlagen Wurzeln im Nichts, die Bildelemente scheinen auf der Suche nach Stabilität, einem geeigneten Ort zu sein. Oftmals scheint der Mensch als Bindeglied zwischen Natur und Architektur in anthropomorphen zeichnerischen Konstrukten Teil dieser Bildwelt zu werden. Nie offensichtlich, eher implizit und heimlich nimmt er an der konstruierten Realität teil.

Neben dem Verschränken und Collagieren dialektischer Gegensatzpaare in Arslanovs Zeichnungen verselbstständigen sich diese Bildelemente auch immer wieder in animierten Video- und skulpturalen Arbeiten. Die implizierte Beweglichkeit botanischer Elemente wird so in den Animationen zur visuellen Realität.

Die Welt, die Rimma Arslanov in ihren Arbeiten konstruiert, ist eine suchende, eine nach Authentizität strebende. Obwohl aus dieser Perspektive der Realität nicht unähnlich, sind doch die Elemente nicht Teil einer allgemeinen, sondern einer sehr intimen Symbolik. Mit einem mutigen Sprung „down the rabbit hole“ gibt sich Rimma Arslanov ihrem eigenen Bildgedächtnis, Kindheitserinnerungen, dem Verortungsversuch in unterschiedlichen Kulturkreisen hin und schafft Bildwelten die gerade in ihren fantastischen und traumhaften Aspekten viel (Spiel)raum für den Betrachter bieten.

Abb. 1: Part of...(detail), 2013, watercolour on paper, 195x70 cm.Abb. 2: Still from animation 'Gray Noon'.Abb. 3: Still from animation 'Gray Noon'.Abb. 4: Shadow, 2013, watercolor, acrylic, pencil and colored pencil on paper.